On the Road durch Arizonas wilde Weiten

Von Kerstin Schindler, Reise-Designerin weltweit

Ich war schon sicher 25-mal in den USA, davon alleine schon 12-mal in meiner „zweiten Heimat“ New York. Diesmal hatte ich das Glück und durfte mit go2travel auf eine Studienreise in den Grand Canyon State. Einiges war bekannt und vieles auch für mich als alten Hasen Neuland. Ganz besonders habe ich mich auf den Antelope Canyon gefreut. Und was soll ich sagen, es war atemberaubend und unfassbar schön. Ein Highlight jagte das nächste, aber alles von Anfang an.


Los ging es mit dem Direktflug der Edelweiss nach Las Vegas. Ich liebe es, wenn möglich ohne Umwege direkt ans Ziel zu kommen, und da Edelweiss ein wirklich gutes Streckennetz anbietet, war es toll, dass wir hier mit dem neuen A350 in die Sin City fliegen konnten. 

Man hat ja in letzter Zeit viel in der Presse gelesen oder gehört, dass die Nachfrage nach Reisen in die USA nachgelassen hat. Deswegen war es auch für uns überraschend, dass der Flieger bis auf ein paar wenige Plätze ausgebucht war. Eigentlich haben wir erwartet, dass wir ruckzuck durch die Immigration kommen – aber weit gefehlt. Angekommen in Las Vegas wurden wir von einer riesigen Schlange bei der Immigration erwartet. Auch die Grenzbeamten waren wohl vom übermässigen Ansturm überrascht, zumal zur gleichen Zeit auch noch (gut gefüllte) Maschinen aus Asien und Mittelamerika landeten. Aber irgendwann waren auch wir durch und konnten unsere Mietwagen entgegennehmen.

Nach der ersten Etappe unserer Reise nach Kingman, dem Gateway zur Route 66, ging es weiter ins kultige Seligman. Hier haben wir natürlich einen kurzen Stopp eingelegt. Die Route 66 feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen – und wen haben wir dort per Zufall getroffen?
Angel Delgadillo, den Gründer der «Historic Route 66 Association of Arizona». Genau an diesem Tag hatte er seinen 99. Geburtstag und ist somit nur ein Jahr jünger als die Route 66.
Ich habe vor Monaten einmal einen Bericht im Fernsehen über ihn gesehen – und dann stehe ich plötzlich neben ihm, unglaublich. Und wenn man sich hier so umschaut, hat man das Gefühl, man ist im Film Cars. Viele dieser Geschäfte und auch Autos dienten als Vorlage für diesen wirklich herzigen Film.

Nach dem Stopp ging es weiter Richtung Grand Canyon, wo uns für den nächsten Tag ein weiteres Highlight angekündigt wurde: ein Helikopterflug über den Grand Canyon. Ich habe vor Jahren bereits einen Sonnenuntergangsflug gemacht, und es nun aus einer anderen Perspektive zu erleben, ist noch einmal unglaublich. 

Übernachtet haben wir in der Nähe des Grand Canyon in der Red Feather Lodge – auch eine gute Möglichkeit, wenn die Hotels im Grand Canyon Nationalpark selbst ausgebucht sind. Nicht zu weit zum Fahren und auch nicht überlaufen. Aber beim nächsten Mal würde ich sicher eines der tollen Hotels direkt im Park wählen. Mega coole Lage und man kann für seine Wanderungen direkt loslegen.

Es gibt so tolle Wanderwege und für jedes Schwierigkeitslevel ist etwas dabei (sogar für so unsportliche Zeitgenossen wie mich). Mein Favorit, was die Aussichtspunkte betrifft, ist definitiv der Lipan Point – nicht so überlaufen wie zum Beispiel der Desert View Watchtower.

Obwohl man meinte, es könne fast nicht mehr besser kommen, durften wir den eindrucksvollen Antelope Canyon praktisch alleine, ohne grosse Menschenmassen geniessen – was doch eher unüblich ist. Gleiches konnten wir vom Horseshoe Bend leider nicht behaupten. Der Ausblick ist und bleibt jedoch magisch, auch wenn es längst kein Geheimtipp mehr ist.
Es war einfach magisch, das alles in der Natur zu erleben – und ich war bestimmt nicht das letzte Mal dort.

Auf dieser Reise jagte ein Highlight das nächste. Zwei weitere, eher noch Geheimtipps sind die nächsten beiden Stopps, welche uns zum Wupatki- und Sunset Crater Volcano National Monument führten. 

Vorbei an trockener Steinwüste ging es über steppenartiges Gelände schliesslich bis nach Flagstaff. Die Universitätsstadt befindet sich – umgeben vom San Francisco Peaks Gebirgszug – auf dem Colorado Plateau und liegt auf über 2000 Metern über Meer. Flagstaff ist ein weiteres Herzstück der Route 66 und hat mir mega gut gefallen. Wussten Sie, dass Arizona mit knapp 160 Meilen über das längste ununterbrochene Stück der originalen Route 66 verfügt? Für Nostalgiker und Biker ein Muss – und auch wir hatten unsere Freude, etwas Geschichte zu erleben.

Unsere Fahrt führte durch den Oak Creek Canyon weiter südlich nach Sedona, mitten ins Herz der «Red Rocks». Nach gut einer Stunde Fahrt hat sich die Landschaft komplett verändert und die Felsformationen mit Namen wie «Cathedral Rock», «Thunder Mountain», «Courthouse Butte» und «Sugarloaf Mountain» erwarteten uns. Zu Fuss ging es auf dem «Teacup Trail» mit unglaublicher Aussicht – und ich kann sagen, ich bin stolz, dass ich nicht aufgegeben habe und es bis nach oben geschafft habe. Die grandiose Aussicht hat für all die Mühen entschädigt. Der anschliessende «Prickly Pear Margarita» war daher mehr als verdient. Dieser wird aus Kaktusfeigen hergestellt und ist wirklich eine Sünde wert.

Wussten Sie, dass in Sedona der einzige McDonald’s mit blauem/türkisem Schriftzug der Welt steht?
Das hatte damals den Hintergrund, dass das goldene M die Farben der Landschaft zu stark gestört hätte. Vielleicht entdecken Sie ihn ja, wenn Sie dort sind – halten Sie einfach die Augen offen.

Da unsere Reise im Spielerparadies Las Vegas endete, haben wir nicht den üblichen direkten Weg gewählt, sondern waren auch hier auf der Suche nach weiteren Geheimtipps. So ging es nicht über den Interstate Highway direkt nach Phoenix/Scottsdale, sondern mit Zwischenstopps im ehemaligen Goldgräber- und Kupferminenstädtchen Jerome sowie in Prescott und am Watson Lake. Dieser ist mit seinen mächtigen Granitfelsen – auch «Granite Dells» genannt – ein wunderschöner Kontrast und ein idealer Ort, um sich auf der langen Fahrt nochmals die Beine zu vertreten. Und eines muss ich sagen: Bevor ich in Phoenix übernachte, würde ich definitiv Scottsdale wählen. Direkt neben Phoenix gelegen, aber um einiges schöner. Egal ob Sie Party am Abend suchen oder eine ruhige Oase mit sensationeller Pool- und Gartenlandschaft – hier findet jeder seinen Platz.

Die letzte Nacht haben wir dann in Las Vegas verbracht. Eine Stadt, die nicht nur aus Casinos und Glücksspiel besteht, sondern sich wirklich verändert hat. Nachdem wir uns gemeinsam auf dem «High Roller» einen wunderbaren Überblick über den Las Vegas Strip verschafft haben, ging es für die einen zum Shopping und die anderen versuchten ihr Glück beim Roulette oder Black Jack. Es war eine unglaubliche Reise – und eines ist sicher: Arizona ist so viel mehr als nur der «Grand Canyon State».